Die Georgskirche in Horkheim:
(von P.Wörthmann und Pfr. i.R. M.Schüz)
Aus der Geschichte:
Ein Blick vom Westrand des Dorfes
Horkheim auf Burg, Kirche und Pfarrhaus veranschaulicht den ursprünglichen
Zusammenhang: Der Ortsherr gründete auf seinem Besitz die Wasserburg mit
ihrem mächtigen Wohnturm, die Kirche, umgeben vom alten Kirchhof, und den
Pfarrhof an der Stelle des jetzigen Pfarrhauses von 1770. Auch St. Georg,
der “Ritterheilige“, dem die Kirche geweiht wurde, deutet auf diesen
Zusammenhang von Kirche und Burg hin. Demnach war die Horkheimer Kirche
eine “Eigenkirche“ im Besitz der Ortsherrschaft, die über die
kirchlichen Einkommen (den Zehnten und den Ertrag des Widumhofes) verfügen
konnte und das Recht der Pfarrbesetzung hatte, jedoch zum Unterhalt von
Kirche und Pfarrer verpflichtet war.
Wann die Kirche gegründet wurde,
ist unbekannt, es kommt das 12. oder 13. Jahrhundert in Frage. Davor gehörten
die Horkheimer kirchlich vermutlich zur Talheimer Kilianskirche. In
Urkunden werden das Widum der Horkheimer Kirche erstmals 1360 erwähnt. Zu
dieser Zeit gehörte Horkheim bereits zu Württemberg, das jedoch 1389
Burg und Kirche an die Heilbronner Kommende des Deutschen Ordens
verkaufte. Dieser verkaufte um 1459 die Burg an den Heilbronner Patrizier
Volmar Lämmlin, die Kirche verblieb in seinem Besitz. Volmar Lämmlin
unterstellte 1461 die Burg dem Pfalzgrafen Friedrich als Oberlehensherr,
vermutlich weil schon vorher Horkheim pfälzisch geworden war. 1504, im
Bayrisch-Pfälzischen Erbfolgekrieg, eroberte Herzog Ulrich von Württemberg
das Amt Weinsberg, zu dem Horkheim gehörte. Somit waren zu Anfang des 16.
Jahrhunderts das Dorf württembergisch, die Burg pfälzisches Lehen und
die Kirche im Besitz des Deutschen Ordens.
Das führte in der Zeit der
Reformation zu Konflikten. Der Deutsche Orden blieb beim alten Glauben,
dennoch setzte Herzog Ulrich als Ortsherr die Einsetzung eines
evangelischen Pfarrers durch. Sein Sohn, Herzog Christoph, regelte dann
1553 im “Heidelberger Vertrag“, dass Württemberg das
Pfarrbesetzungsrecht erhielt; dem Deutschen Orden verblieb der Zehnte mit
der Verpflichtung, für die Instandhaltung des Kirchturms aufzukommen. Die
Burgbesitzer hatten seit 1470 in der Burg eine Kapelle und einen Kaplan.
Diese Kaplanei war jedoch schon vor der Reformation nicht mehr besetzt.
Nach der Reformation gehörten die Burgbewohner, obwohl die Burg pfälzisches
Lehen war, kirchlich zur Horkheimer Pfarrei. Sie konnten sich deshalb in
der Kirche einen festen Platz, den sog. Adelsstuhl, und im Kirchhof ihr
Erbbegräbnis, die sog. Begräbniskapelle, einrichten.
Die
einzige Verbindung zwischen Schloss und Dorf war lange Zeit der gemeinsame
Kirchgang. Hier saßen alle Gemeindeglieder versammelt, um die Predigt zu
hören. Die Schlossherren saßen auf der kleinen Empore, wo sich heute die
Orgelempore befindet. Der Schultheiß, Richter und die Ratsmitglieder saßen
unter dieser Empore in strenger Rangordnung. Davor und vor allem im Chor
saß oder stand die ledige männliche Jugend. Die weibliche Jugend hatte
ihren Platz unter der Kanzel, vor den Augen der Pfarrfamilie, die in einem
vergitterten Pfarrstuhl saß. Die Frauen saßen unter der Hauptempore. Es
gab in Horkheim keine Plätze, die man kaufen konnte, dennoch beanspruchte
jede Bürgersfrau einen angestammten Platz. Beim Eingang saßen der
Polizeidiener und der Nachtwächter, die nach dem Läuten einen
Kontrollgang durchs Dorf machten, um nachzusehen ob alle Arbeit ruhte. Die
Männer hatten ihre Plätze auf der Empore. Auch dort achtete man auf eine
strenge Sitzordnung. Vorne saßen die Bürger, dann Beisitzer, dann Schäfer,
dann Kuhhirten und Knechte.
Wenn man heute die Sitzverteilung
in der Kirche anschaut, kann man zum Teil diese alten Strukturen wieder
entdecken.
Turm,
Chor und die Grabsteine:
Die
drei unteren Turmgeschosse und die nördlich daran angebaute alte
Sakristei stammen noch aus romanischer Zeit, möglicherweise aus der Gründungszeit
der Kirche. Das untere Turmgeschoss ist, wie auch die alte Sakristei, mit
einem Tonnengewölbe versehen und bildete den Chor der Kirche; solche
Chorturmkirchen sind im fränkischen und fränkisch beeinflussten Gebiet
auch heute noch häufig anzutreffen. Von der alten Sakristei führte eine
heute vermauerte Türe direkt in den Chor, und dieser war mit dem
Kirchenschiff durch einen romanischen Rundbogen verbunden. Erst beim
Neubau des Schiffes 1610 wurde dieser Rundbogen zu einem Spitzbogen erhöht,
und einige Jahre später wurde der Turm, da ihn das neue Kirchenschiff
fast überragte, auf Kosten des Deutschen Ordens um zwei Stockwerke erhöht.
Die Jahreszahl 1628 im östlichen Chorbogen bedeutet vermutlich, dass in
diesem Jahr der Chor durch den kleinen Anbau im Osten erweitert wurde.
Wozu der Konsolstein in der Nord-Ostecke, der einen Löwenkopf darstellt,
diente, ist nicht bekannt.
Der älteste Horkheimer Grabstein,
er steht heute an der Kirchhofmauer neben dem Pfarrhaus, war ursprünglich
im Boden des Chors eingelegt. Er erinnert an Agnes von Bach, gestorben
etwa um 1474, die Frau von Volmar Lämmlin, der um 1459 die Burg gekauft
hatte. Die drei Steine, die jetzt im Chor untergebracht sind, stammen aus
der im 19. Jahrhundert abgebrochenen Begräbniskapelle: An der
Chornordwand unten der Gedenkstein zur Einrichtung der Begräbniskapelle
1563 durch Volmar Lämmlin (Enkel des o. g. Volmar), darüber das Epitaph
für Philipp Christoph Lämmlin (gestorben 1596, Neffe des Volmar von
1563) und seine erste Frau Anna Maria von Venningen (gestorben 1585),
unten an der Südwand das Epitaph für den jungen Georg Friedrich Lämmlin
(1605, Enkel des Philipp Christoph). Die Lämmlins besaßen die Horkheimer
Burg von etwa 1459 bis 1622.
Das Kirchenschiff:
Das alte
Kirchenschiff war sehr klein: Nicht breiter als der Chorturm und nur etwa
13 m lang. 1602 wurde es als baufällig bezeichnet, und 1610 beauftragte
Herzog Johann Friedrich von Württemberg seinen Baumeister Heinrich
Schickhardt mit dem Neubau des Kirchenschiffs; die Kosten trug die
Horkheimer Heiligenpflege. Der Inschriftstein außen schräg über dem Südeingang
der Kirche nennt den Bauherrn, den Baumeister, die Amtsträger und die
Handwerker.
ANNO 1610 HAT HERTZOG IOAN FRID DISE KIRCH VON GRVND
AVEBAWEN LASSEN DVRCH HENR: SCHIKART BAVMR ALS IM AMPT WAR IOACHM BAIER
KELLER BERNHART REVSCHLN SCHVLTHAIS HANS RAM VND IACOB MEVRER
HAILIGPFLGR IOAN BROLL PFAR WERCKLEVT VELTIN SAR VND GEORG TVMLER MAVRER
IERG KASER ZIMERMA HANS RIELER SCHRENER IERG RÖSCH VND CASPAR MERCKLIN
BVRGERMR
Die
Jahreszahl 1610 erscheint verteilt an den beiden Emporepfeilern links und
rechts des Mittelgangs.
Das
neue Kirchenschiff wurde so breit wie das alte lang war und fast um die Hälfte
länger als das alte und erhielt damit den Charakter einer
protestantischen Saalkirche, ausgerichtet auf das Hören der Predigt. Dem
entspricht, dass die Kanzel verhältnismäßig weit in das Kirchenschiff
hineingebaut wurde und der Chor, obwohl sein Bogen erhöht wurde, recht
unscheinbar wirkt. Die regelmäßig gesetzten Rechteckfenster und
Rundbogentüren sowie das Rundfenster in der Westwand sind sehr einfach
gestaltet, lassen aber doch den Stil der Renaissance erkennen. Die Decke
wurde hängend, d. h. von im Dachstuhl hängenden Balken gehalten,
konstruiert und durch den Stuckfries und -kreis verziert. Die Fenster
waren innen mit gemalten Quadern eingefasst. 1743 malte der Heilbronner
Kunstmaler Lazarus Holtzheu (Holtzhey) Christus und die 12 Apostel in
Lebensgröße auf die Wände. Bei der Renovierung 1897/98 wurden die Wände
mit Rechteck-Kartuschen und Zierlinien bemalt; bei der Innenrenovierung
1988 erhielt die Kirche ihre jetzigen hell getönten Farben.
Die Kanzel und die neue Sakristei:
Die Kanzel befindet sich noch an
dem Ort, an dem sie 1610 aufgestellt wurde, doch ihre Treppe verlief ursprünglich
an der Nordwand der Kirche. Der Kanzelkorb hat die übliche Achteckform
und wird von einer schlanken, kannelierten Säule auf hohem Podest
getragen. Der Kanzeldeckel ist oben und innen durch Volutenkränze
verziert und wird durch einen gedrehten, in ein kleines Rankenornament
auslaufenden Eisenstab gehalten. Bei der Innenrenovierung 1968 wurde die
ursprüngliche Farbe aufgedeckt; die Kanzelfelder waren ohne Verzierung,
da sie, wie früher üblich, durch ein Kanzeltuch verdeckt waren. Im
Kanzeldeckel kam jedoch die Taube des Heiligen Geistes zum Vorschein,
Hinweis darauf, dass Gottes Geist durch die Predigt wirksam ist (Matthäus
10, 20).
Um 1746 wurde die neue Sakristei über
der alten Sakristei erbaut und durch den Gang an der Nordwand mit der
Kanzel verbunden. Die Kanzeltreppe, die nun auch als Zugang für die neue
Sakristei eingerichtet wurde, wurde an ihren jetzigen Platz an der Ostwand
verlegt. Die feine Ornamentbemalung der Brüstungsfelder des Kanzelganges
wurde 1968 wieder aufgedeckt und restauriert.
Der Altar und der Taufstein:
In der alten Kirche stand der
Altar, wohl ein schlichter Blockaltar, in der Mitte des Turmchores. So
blieb es auch beim Neubau 1610, erst später, jedenfalls vor 1722, wurde
er vor dem Chor im Schiff aufgestellt. Der jetzige Tischaltar stammt von
1968. Der Taufstein wurde 1725 gestiftet, das zeigt die Inschrift auf
seinem achteckigen gebauchten Schaft. Die Buchstaben über und neben der
Jahreszahl, BH und MH, sind die Initialen des Stifterehepaares: Balthasar
Holl und Maria Magdalena Holl. Er war von Beruf Schmied und war
Gerichtsverwandter (vergleichbar dem heutigen Gemeinderat; er fügte
deshalb seinen Initialen DG des Gerichts) hinzu. Vermutlich hatte der
Taufstein ursprünglich eine Sockelplatte.
Die Orgel und der Adelsstuhl:
Der Adelsstuhl ist heute nicht mehr
vorhanden. 1610 wurde er auf einer besonderen Empore an der Stelle der
jetzigen Orgelempore eingerichtet mit einem Treppenzugang außen am Turm
und einem Eingang mit flachem Bogen und der Jahreszahl 1610. Schon 1706
wurde im Kirchenkonvent über die Anschaffung einer Orgel beraten, doch
erst 1722 wurde sie bei Orgelmacher Schmahl in Heilbronn bestellt. Über
den Standort der Orgel konnten sich der Pfarrer und der Kirchenkonvent
nicht einigen, bis die Schloßherrin Maria Elisabetha von Engelbronn (geb.
Seybold) das Angebot machte, dass die Orgel auf ihren Adelsstuhl gestellt
werden könne, wenn dafür ein Adelsstuhl auf drei Stufen erhöht im
Kirchenschiff östlich neben dem Nordeingang gebaut würde. Das wurde
dankbar angenommen, und Ende 1723 stand die Orgel, sie hatte 8 Register,
auf der Empore des Adelsstuhls. Auch der Deutsche Orden hatte einen Zuschuß
dazu gegeben.

Nach verschiedenen kleineren
Reparaturen wurde die Orgel 1851 von Orgelbauer Schäfer, Heilbronn, dem
Geschmack der Zeit entsprechend grundlegend verändert. 1965 schien ein
Neubau unumgänglich; er wurde bei der Orgelbaufirma Rensch in Lauffen
bestellt und war 1966 fertiggestellt. Die Orgel hat 14 Register auf 2
Manualen und Pedal. Von dem alten Gehäuse wurde der prächtige
Barockprospekt in die Emporebrüstung als Rückpositiv eingebaut. Der alte
Eingang zum Adelsstuhl wurde geschlossen und die Außentreppe durch die
Wendeltreppe im Innern ersetzt.
Als um 1746 die Kanzeltreppe für
die neue Sakristei verlegt wurde, gingen vorne in der Kirche Sitzplätze
verloren. Da der Platz im Kirchenschiff ohnehin knapp war und der 1722 an
die Nordwand versetzte Adelsstuhl “fast die halbe Weibergemeinde
gehindert, Carl Friedrich von Schütz (Enkel der Maria Elisabetha) der
Bitte zu, seinen Adelsstuhl auf die Westempore versetzen zu lassen. So
wurde dieser 1747 “ringsum vermacht“ (nach vorne mit einem
Schiebegitter aus Holzstäben) auf der Männerempore “zuförderst gerad
der Cantzel gegenüber“ aufgestellt. Zwei Jahre später, 1749,
beanstandete der neue Schloßherr, der kurpfälzische Kriegsrat Johann
Heinrich Elieser Buhl, dass der Adelsstuhl keinen besonderen Eingang habe.
Es wurde deshalb außen an der Nordseite der Kirche eine hölzerne Treppe
gebaut und eine Türe durch die Mauer gebrochen. Der Kriegsrat hatte noch
weitere Beschwerden, doch 1792 ist er gestorben. Seine Witwe benützte den
Adelsstuhl noch bis zu ihrem Tod 1828. Als 1829 der einzige noch im Schloß
wohnende Sohn Selbstmord begangen hatte, ließen seine beiden auswärtigen
Brüder den Adelsstuhl versteigern. So kam er in den Besitz der
Kirchengemeinde, die ihn dann abbrechen ließ. In der Kirche ist noch an
der Nordseite der Empore die vermauerte Türe zu sehen.
Der Kruzifixus:
Der Kruzifixus, der jetzt im
Chorbogen hängt, hatte seinen Platz ursprünglich hinter dem Altar. Bei
der Renovierung 1897/98 wurde er, da er dem Geschmack jener Zeit nicht
entsprach, in der alten Sakristei abgestellt. Erst 1949 wurde er wieder
hervorgeholt. Es ist eine sehr gute, eindrucksvolle Darstellung des
Gekreuzigten, von der Kunstsachverständige annahmen, dass sie um 1500
entstanden sei. Allerdings heißt es in den Kirchenkonventsprotokollen
erst 1687, dass ein Horkheimer wegen Wucherzinsen 20 Gulden zur
Aufrichtung des Crucifixes zahlen müsse, und erst Ende 1697, dass das in
Wimpfen bestellte Crucifix fertig sei, die Heiligenpfleger sollen sich mit
Geld versorgen und nach Wimpfen gehen, um “das verfertigte abzuholen“.
Demnach entstand der Kruzifixus am Ende des 17. Jahrhunderts, wurde
jedoch, wie auch sonst oft üblich, nicht im zeitgemäßen Stil des
Barock, sondern im traditionellen Stil der Spätgotik gearbeitet.
Es lohnt sich auf jeden Fall, sich
einige stille Minuten in dieses ausdrucksvolle Gesicht zu vertiefen. Der
verstorbene Pfarrer Völter hat seine Eindrücke über dieses Kruzifix in
folgende Zeilen gefasst:
„Vor
langer, langer Zeit entstand dies Christusbild,
von
Künstlerhand geformt für unser Gotteshaus.
Des
Meisters Liebe spricht daraus.
Mensch,
werde still, verschließ dich nicht vor ihm,
der
deutlich mit dir spricht!
Hat
er doch auch an dich gedacht,
der
sterbend rief: ‚Es ist vollbracht!’“
Das Bild vom
Jüngsten Tag:
Bemerkenswert
ist auch das große Gemälde vom Jüngsten Tag, das mit seinem wuchtigen
Rahmen den größten Teil der Nordwand des Chores ausfüllt. Es stammt von
dem 1860 in Horkheim geborenen Kunst- und Dekorationsmaler Ernst Bader,
der auf diesem Bild das Erscheinen des dreieinigen Gottes - am Ende der
Welt, wie er es “im Traume sah“, darstellte. Die Erläuterung gab er
selbst in der Inschrift unten links: Die Todesangst und die Hoffnung auf
Errettung der Menschen.
Ein schreckliches Erdbeben und ein
rasender Weststurm zwingt die heulende Menschenmenge, gebückt östlich zu
sehen, in Todesangst das Ende erwartend. Unheimlich still, gleichmäßig
dunkel ist der Himmel. Plötzlich erscheint im sich vergrößernden Feuer,
allen sichtbar, die Gottheit. Nun bekennen auch die Gottesleugner: Es ist
wirklich wahr, was von Gott geschrieben und gesagt wurde! Die Frommen
seufzen um Errettung, in einem Augenblick wird ihr Körper verwandelt. Sie
schweben empor, Gott, Gott den Allmächtigen preisend.
Deutlich
ist auf dem Bild zu sehen, wie sich ein Teil der Menschenmenge angesichts
der Erscheinenden Dreieinigkeit Vater, Sohn und Heilige Geist (der in Form
einer Taube im Rahmen abgebildet ist) entsetzt abwendet, während der
andere Teil hoffnungsvoll emporblickt. Die von Entsetzen erfüllten
Gesichter des Bildes waren gleichsam eine Vorahnung der Schrecken und
Erschütterungen, die in zwei Weltkriegen über das deutsche Volk
hereinbrachen. Natürlich kann man manches gegen das Bild einwenden, z.B.
dass es unmöglich sei, Gott so bildlich darzustellen. Aber das sind Äußerlichkeiten.
Die Botschaft des Bildes kann trotzdem erhalten bleiben:
Mensch, du bist verantwortlich für dein Tun.
Ernst
Bader, ein Künstler des Historismus, hatte sich 1886 in Heilbronn seine
Werkstatt eingerichtet und schmückte, im Lauf der Jahre mit vielen
Mitarbeitern, nicht nur in Heilbronn und Umgebung, sondern auch in
zahlreichen Ständen Württembergs die Innenräume repräsentativer Gebäude
mit seinen pflanzlichen und figürlichen Ornamenten. 1906 ernannte ihn König
Wilhelm II. zum Hof-Dekorationsmaler. Er war auch ein guter Porträtist;
auf dem Bild vom Jüngsten Tag wird das deutlich: Viele der Gesichter sind
Porträts von damals lebenden Heilbronner. Diese waren entrüstet als das
Bild der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und sie sich selbst darauf
erkannten. In der Mitte der Menschenmenge, in dem mit dem Rücken zum
Betrachter stehenden Mann mit dem nach links gewandtem Kopf, hat sich
Ernst Bader selbst dargestellt. Das Bild gehört zu seinen Spätwerken es
entstand in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg. Er hielt es für eines seiner
wichtigsten Vermächtnisse an seine Mitmenschen, denen er zeigen wollte,
dass ihr Leben einmal vor dem göttlichen Richter aufgedeckt werden wird.
1915 ist er in Heilbronn gestorben, und 1935 stiftete seine Witwe das Bild
für die Horkheimer Kirche.
Die
Buntglasfenster:
Die
künstlerisch gestalteten Fenster hier in der Kirche haben einen inneren
Zusammenhang. Sie beschreiben einen Weg und sind Auferstehungsfenster.
Das
Fenster über dem Nordportal wurde 1988 von Josef de Ponte, Schwaigern,
entworfen. In diesem Fenster ist Christus mit seinen Jüngern nach Matthäus
28, 18 - 20 dargestellt. In dem Oval links verheißt Jesus den Jüngern:
“Mir ist gegeben alle Gewalt ... und siehe, ich bin bei euch“. In dem
Oval rechts sendet er sie aus: “Darum gehet hin“, die Menschen für
ihn zu gewinnen, zu taufen und zu lehren. Das Oval ist eingebettet in ein
durch helle Farben angedeutetes Kreuz, das daran erinnert, dass Christus für
seine Jünger und die Menschen, zu denen sie gesandt sind, durch den Tod
zum Leben gedrungen ist.
Es
soll einen beim Eintreten in die Kirche daran erinnern, dass Jesus auch
heute noch Jünger und Jüngerinnen beruft.
Das
Fenster auf der Südseite und das Chorfenster wurden 1997 von Raphael
Seitz, Heilbronn, gestaltet.
Im Chorfenster hinter dem Kruzifix,
hinter dem Karfreitag wenn man so will, leuchtet das neue Licht der
Auferstehung auf. Ein blendendes Weiß überstrahlt die dunkleren
Schattierungen. Diese gleichen einer Knospe, die sich unter dem hellen
Strahl, der von oben mitten in ihr Zentrum trifft, explosionsartig öffnet.
Das erinnert an Matthäus 28, 2 u. 3: “Der Engel des Herrn kam vom
Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg ... Seine Gestalt war
wie ein Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee“.
Das
Kreuz hat nicht das letzte Wort. Dieses Fenster hat man während des
Gottesdienstes im Blick. So wie auch die Kreuzigung und die Auferstehung
zentraler Teil unseres Glaubens ist.
Auf
dem Fenster der Südseite (Raphael Seitz, 1997) ist eine Szene aus dem
Bericht der Emmausjünger dargestellt, die nach der Kreuzigung Jesus
begegnet sind. Das ist ja eigentlich der Weg den wir als Christen allen
miteinander gehen. Von der Begegnung mit Jesus, der Beauftragung durch
hin, über das zentrale Geschehen des Karfreitags und des Ostermorgens hin
zu unserem Weg als Christen im Alltag.
Wenn
wir das Fenster mit der Emmausgeschichte etwas genauer betrachten, sehen
wir in der unteren Bildhälfte eben die beiden Emmausjünger, hier als
Mann und Frau gezeichnet, ganz in der Tradition unserer Kirchengeschichte.
Für Jesus war es ganz normal, daß er schon früher neben Männern auch
Frauen als Jüngerinnen um sich hatte. Die beiden brechen miteinander das
Brot, aber auch hier hat der Künstler im Gegensatz zur biblischen Erzählung
kein Fladenbrot abgebildet, sondern eine Brezel. Er will damit andeuten,
daß Emmaus nicht nur vor ca. 2000 Jahren in der Nähe von Jerusalem war,
sondern nach der Auferstehung von Jesus überall, auch hier in Horkheim
ist. Von den Formen her erkennen wir im Fenster zwei Kreise. Einen im
unteren Teil, einen im Oberen Teil. Einer umschließt die Menschen, der
Kreis unserer Lebenswelt. Der andere deutete die himmlische Welt Gottes
an. Aber es sind beides keine ganz runden, keine in sich geschlossenen
Kreise. Beide Kreise sind offen ,sind durchbrochen und wenn man dann dem
Farbverlauf ein wenig folgt, dann erkennt man, wie der untere Kreis den
dunklen Farben fast verhaftet erscheint, während in den oberen ein heller
Lichtschein fällt. Und damit ist zweierlei angedeutet: Die himmlische
Welt hat sich geöffnet, der Kreis ist aufgebrochen. Das Licht der
Auferstehung soll das Dunkel des Todes aus uns und unserem Alltag verdrängen.
Aber auch umgekehrt müssen wir Menschen uns öffnen für das Neue, dass
Gott uns bringen will. Wenn wir in unserem Lebenskreis, unseren Sorgen
verschlossen bleiben, dann kann Gott in uns nicht hinein wirken und sein
neues Licht entfalten.
Jesus
hat uns nicht verlassen, er geht mit uns auf unseren Wegen, gerade da, wo
es ganz dunkle Wege sind. Daran soll uns dieses Fenster immer erinnern,
wenn wir am Ende des Gottesdienstes aufbrechen
Die Glocken
Horkheim dürfte
seit altes her ein Dreiergeläute gehabt haben.
1901 erhielt die Georgskirche zwei neue
Glocken mit einem Dreiergeläut von Fis-A-Cis. Doch 1917 musste die
Gemeinde zwei Glocken wieder abgeben. Die Gemeinde sammelte Spenden und so
konnten 1922 drei neue Glocken gekauft werden. Der 2. Weltkrieg forderte
1947 ein erneutes Glockenopfer und die Horkheimer mussten sich von zwei
Glocken trennen. 1951 und 1956 vervollständigte die Kirchengemeinde
wieder ihr Geläut. Und so haben wir heute 3 Glocken:
Die
Taufglocke von 1922 (Fa. Bachert, Kochendorf) in der Tonart h mit einem
Gewicht von 344 kg. Sie hat die Inschrifft: „Jesus Christus gestern und
heute und derselbe in Ewigkeit“. Mit ihrem Läuten begleitet sie den
Taufakt im Gottesdienst und ruft damit die zu Hause gebliebenen
Gemeindeglieder zur Fürbitte für den Täufling.
Die Kreuzglocke von 1951 (Fa.
Bachert, Heilbronn) in der Tonart a mit einem Gewicht von 447,5 kg. Sie
hat die Inschrift: „Er ist unser Friede“. Wie der Name schon sagt, läutet
diese Glocke zu den Stunden, die nach der biblischen Überlieferung mit
dem Sterben Jesu am Kreuz verbunden sind.
Die Betglocke von 1956 (Fa. Bachert,
Heilbronn) in der Tonart fis mit einem Gewicht von 752 kg. Sie hat die
Inschrift: „Unser Glaube ist der Sieg der die Welt überwunden hat“.
Sie läutet bei Tagesanbruch (6.45 Uhr), mittags um 12.00 Uhr und abends
um 19.30 Uhr. Der Ruf zum Morgengebet ist eine tägliche Erinnerung an
Christi Auferstehung und stellt zugleich das Leben der Christen ins Licht
des nahenden Gottestags. Das Mittagsläuten ruft zum Gebet für den
Frieden. Das Abendläuten erinnert uns alle an den „Abend des Lebens und
den Abend der Welt“. Es will die Familie zur abendlichen Andacht
versammeln. Zum Gottesdienst ruft die Betglocke (sonntags) eine Stunde
vorher und, zusammen mit der Kreuzglocke, eine halbe Stunde vor Beginn.
Beim Gottesdienst übernimmt die Betglocke das Vater-Unser-Läuten.
Die Glocken sollen vornehmlich zum
Gottesdienst und zur täglichen Andacht rufen. Sie begleiten die
Gemeindeglieder auf ihrem Weg von der Taufe bis zur Bestattung und
unterstellen sie Gottes Wort und der Fürbitte anderer.