10 Fragen ...
diesmal an Karin Robertz, Mesnerin der ev.
Georgskirche in Horkheim.
Das Interview führte Jana Elsner im Sommer
2006
Karin Robertz, verheiratet, 3 Kinder, zog im
April letzten Jahres aus Oberstenfeld nach Horkheim. Gelernte
Physiklaborantin, gebürtig aus Göttingen, verschlug es die Familie
vor über 30 Jahren ins Schwabenland.
1. Was
ist Ihnen bei Ihrer Arbeit als Mesnerin am wichtigsten?
Das wichtigste ist mir der Kontakt mit den
Menschen, die Menschen zu erreichen, über Gott zu reden. Als
Mesnerin, also „Hüterin des Hauses Gottes“, hat man viele Aufgaben:
die Gottesdienste vorbereiten, bei der Andacht dabei sein, sich um
die Kirche zu kümmern. Pfarrer Jeno sagte einmal, die kirchliche
Zeitrechnung geht anders. Ohne Engagement und einen starken Glauben
könnte man diesen Beruf nicht ausüben.
2. Was beschreibt Ihre neue
Heimat?
In Horkheim fühle ich mich zu Hause. Es ist
der Platz, wo meine Familie, wo meine Kinder sind. Das Einleben war
leicht, wir gewannen schnell neue Bekannte und Freunde. Was mir sehr
gefällt, ist das weite Land, die Natur und der Fluss. Und trotzdem
ist man schnell und bequem in der Stadt.
3. Welche Hobbies haben Sie?
Ein wenig gärtnern, Freunde treffen,
Spieleabende, lesen. Zum Beispiel historische Romane und geistliche
Literatur, aber auch leichte Kost.
4. Wo fühlen Sie sich am
wohlsten?
Inmitten meiner Familie, bei meinen Kindern
und Enkelkindern. Das war ja auch einer der Gründe, der uns nach
Horkheim zog. Wir sind gern am Meer, an der Ostsee, der Nordsee, auf
Amrum zum Beispiel, wo meine älteste Tochter zwei Jahre lebte.
5. Welchen Lieblingsvers haben
Sie in der Bibel?
Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben,
weder Engel noch Mächte noch Gewalten uns scheiden kann von der
Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.
(Römer 8, 38,39)
6. Welche biblische Gestalt
beeindruckt Sie besonders?
Das wechselt, je nach Lebensabschnitt, je nach
Thema, mit dem ich mich gerade beschäftige. Zum Beispiel Abraham.
Welche Last er auf sich genommen hat, wie er ins Ungewisse gezogen
ist, auf Gottes Ruf hin. Er war nur durch seinen Glauben gestärkt,
der ihm half, alle Hindernisse zu überwinden. Oft sind es Menschen
mit Schwächen und großen Sünden, die in der Bibel berufen sind,
Großes zu vollbringen. Moses zum Beispiel, der jemanden erschlagen
hatte.
7. Ein prägendes Erlebnis?
Die Geburt der Kinder.
8. Wie leben Sie Glauben im
Alltag?
Mein Mann und ich, wir lesen jeden Morgen die
Losungen und den Bibellesezettel der Aidlinger Schwestern mit
Bibelstellen und Erläuterungen. Unser Hauskreis trifft sich alle 14
Tage; jeden Mittwoch morgen gibt es einen (noch kleinen) Gebetskreis
im evangelischen Gemeindehaus. Meiner Meinung nach braucht man im
Glauben die Gemeinschaft, das Einsiedlerleben im Wald ist nicht
ideal, um Glauben zu leben.
9. Wie ist Ihr Gottesbild?
Gott ist für mich eine Vaterfigur. Allmächtig,
wohlwollend. Es gibt ein Bild in der Eremitage, in dem der Vater
seinen verlorenen Sohn in die Arme schließt. Ein Vater, der seinem
Sohn verzeiht, ihn bedingungslos liebt.
10. Was sollte sich in der
Kirche ändern?
Dass die Kirche mehr auf die Menschen zugeht
und nicht wartet, dass jemand an die Tür klopft. Der
Religionsunterricht für Erwachsene ist ein guter Anfang, voneinander
zu lernen und miteinander zu reden. Lassen Sie mich noch ein
Beispiel geben: als wir Oberstenfeld lebten, hatten wir zu unseren
Nachbarn ein ganz normales Verhältnis, hallo und die üblichen
Gespräche über dem Gartenzaun. Eines Tages fragten sie uns, ob wir
uns zu Gesprächen über Gott und Religion treffen wollten und sind
damit offene Türen eingerannt. Und als der erste Hauskreis aus den
Nähten platzte, wurden daraus drei aktive charismatische
Gemeinschaften. Oft ist ein Bedarf da, man weiß es nur nicht. Und
wenn keiner die Initiative ergreift, passiert nichts. In Horkheim
wird viel getan, es gibt unterschiedlichste Kreise und Gruppen und
noch viele Pläne. Aber es braucht immer Menschen, die sich
engagieren, die bereit sind, sich und ihre Zeit einzubringen.