Metzgerei Krumm

Vor allem die alteingesessenen Horkheimer erinnern sich noch gerne an die kleine aber feine Metzgerei Krumm, die sich von der Schleusenstraße her kommend, auf der rechten Straßenseite in der Kurzen Gasse 2 befand. Frau Marta Krumm, die Gattin des letzten Inhabers, hat mir bereitwillig Auskunft über alles Wissenswerte erteilt sowie Bildmaterial aus früheren Zeiten zur Verfügung gestellt. Hierfür gebührt ihr ein ganz besonderer Dank. Weiteres Bildmaterial haben Herr Keuerleber und Frau Jost dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt.

Nun zur Geschichte:

Die Metzgerei bestand bereits lange vor dem Zweiten Weltkrieg und wurde von der jüdischen Familie Kahn geführt. Diese hat vor ihrem Wegzug nach Heilbronn - und vermutlich späterer Emigration in die Vereinigten Staaten – das Geschäft im Jahr 1931 an die Familie Martin verkauft. Herr Martin war in Horkheim kein Unbekannter, er stand in einem Verwandtschaftsverhältnis zu „Sanders-Bäck“ in der Kirchgasse.

Nach dem Tod von Herrn Martin hat Friedrich (Fritz) Krumm in den fünfziger Jahren die Metzgerei übernommen. Allerdings waren die Baulichkeiten und insbesondere der nur 10 qm große Verkaufsbereich nicht mehr zeitgemäß, sodass sich Fritz Krumm 1958 zur baulichen Erweiterung entschloss und dem Gebäude seine heutige Gestalt gab. Der Verkaufsraum war nun immerhin 30 qm groß. Der Umbau erfolgte weitgehend in Eigenregie unter Mithilfe von Herrn Niefer. Herr Niefer half aber nicht nur beim Umbau mit, sondern war von 1952 bis 1956 als Metzger bei Herrn Krumm beschäftigt. Transportleistungen während der Umbauphase wurden teilweise vom Nachbarn Gustav Kühner mit Gaul und Wagen erbracht.  Fritz Krumm hat das Geschäft bis zu seinem Ableben im Frühjahr 1970 geführt. 

Unmittelbar danach hat sein Sohn Hans Krumm das Geschäft übernommen. 

Hans Krumm (Jahrgang 1935) hatte schon lange zuvor im heimischen Betrieb eine Metzgerlehre absolviert und bereits 1958 seine Meisterprüfung im bayerischen Passau abgelegt. Zur Erweiterung seines beruflichen Horizonts arbeitete Hans Krumm eine Zeit lang bei der renommierten Metzgerei Reinhard in Bietigheim. 

In dieser Zeit haben Hans und Marta geb. Reis geheiratet. 

Frau Marta Krumm stammt aus Flein und hat sich das notwendige Wissen für den Familienbetrieb bei der Metzgerei Hübner in Heilbronn angeeignet. Mit diesem Rüstzeug versehen übernahm sie fortan den Verkauf der Fleisch- und Wurstwaren im Ladengeschäft. Freitags und samstags wurde Frau Krumm von den Damen Ketel, Jost und Westenberger tatkräftig unterstützt. 

Während sich Friedrich Krumm die Arbeit zumindest für eine geraume Zeit mit Herrn Niefer teilte, war Hans Krumm im Wesentlichen auf sich selbst gestellt. Die Ausbildung eines Lehrlings brachte auch keine sonderliche Entlastung, da der junge Mann aus Etzlenswenden vermutlich aus Übermut den Krumm’schen Rottweiler beim Gassi-Gehen in den Neckar schubste und unglücklicherweise mit der Leine ins Wasser gezogen wurde. Da er nicht schwimmen konnte, wurde er ein Opfer der Fluten. 

Im hinteren Teil des Krumm’schen Anwesens steht bis heute noch das kleine Schlachthaus, in dem bis zur Eingemeindung von Horkheim nach Heilbronn (1974) Hans Krumm selbst geschlachtet hat. Auch heute noch stellt das gut erhaltene Bauwerk, dessen Gebäudestil ein wenig an ein englisches Cottage erinnert, einen optischen Akzent im Hofbereich neben dem Spielplatz dar. 

Nachdem die Erlaubnis der Selbstschlachtung im Zuge der Eingemeindung erloschen war, bezog Herr Krumm seine von ihm zuvor bestellte Ware bei der Metzgerinnung Heilbronn. Dorthin pflegte er gute Kontakte, zumal auch der Sohn von Taxi-Bader dort beschäftigt war. 

Aus dem üblichen Sortiment eines Fleisch- und Wurstwarengeschäfts stachen bei der Metzgerei Krumm als Spezialität der gefüllte Bauch, den es am Freitag zu kaufen gab und der geschmacklich herausragende gekochte Schinken hervor. Auch der Fleischkäse, luftig und mit fester Kruste, fand reißend Absatz. Die Rezeptur hierfür hat Hans Krumm vermutlich von seinem Bayernaufenthalt mitgebracht. Viele der ehemaligen Kunden schwärmen heute noch von den saftigen „Schälripple“, dem unvergleichlichen Preßkopf, und dem schmackhaften Fleischsalat. Frau Krumm bemerkt dazu, dass ihr Mann keine geschriebenen Rezepte verwendete, sondern die schmackhaften Fleisch- und Wurstwaren aufgrund seiner Erfahrung „aus dem Kopf“ herstellte. 

Die hohe Qualität des Angebots war bis über den Neckar hinaus bekannt, deshalb nahmen auch einige Klingenberger nach Schließung der dortigen Metzgereien den Weg über den Steg gerne in Kauf. Vor allem am Samstag drängte sich die Kundschaft im kleinen Verkaufsraum, in dessen Ecke sogar ein Designstuhl der Firma Schulz, Flein stand, der den Kunden das Warten erleichterte und dem Raum eine gewisse Gemütlichkeit verlieh. Kein Wunder also, dass unter der Kundschaft eine rege Kommunikation herrschte und eifrig Neuigkeiten untereinander ausgetauscht wurden. 

In guter Erinnerung ist den Kunden auch noch, dass man bei Frau Krumm auch nach Ladenschluss am Küchenfenster klopfen durfte, falls man es zu den regulären Öffnungszeiten nicht geschafft oder etwas vergessen hatte. 

Im Jahr 1998 war es dann soweit, Hans Krumm schloss seine Metzgerei und starb leider viel zu früh nach der Geschäftsaufgabe im Jahr 2007[1]. Frau Krumm lebt weiterhin im Wohnhaus und lässt sich gerne von ihrer ehemaligen Kundschaft über den Gartenzaun hinweg zu einem Schwätzle verleiten. 

Die Bilder zeigen das Anwesen der Metzgerei Krumm vor dem Umbau bei einem Umzug des Musikvereins, vermutlich 1957 oder 1958. Die Person, die aus dem Fenster im Obergeschoß das bunte Treiben beobacht, ist Frau Marta Krumm.

Anlässlich der Geschäftsaufgabe hat seinerzeit auch die Heilbronner Stimme einen Artikel veröffentlicht in dem die Schließung bedauert wurde und ein nettes Bild der damaligen Crew (Hans und Marta Krumm u. Heide Jost) zeigt.

Seitdem gibt es in Horkheim  nurmehr die Metzgerei Klein, vormals Metzgerei Kreiser.

Im August 2017

Gerhard Lorch

 



[1] 19.2.1935 – 3.4.2007

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